NIS 2 funktioniert nur, wenn alle mitmachen

Die Netz- und Informationssicherheitsrichtlinie (NIS 2) des Europäischen Parlaments und des Rates wurde eingeführt, um die Resilienz von Unternehmen im Bereich der Internet- und Informationssicherheit zu stärken. Dafür gibt es eine umfangreiche Liste an Vorgaben, die Unternehmen bestimmter Größe und Branchen umsetzen müssen.

Dies war und ist ein wichtiger Schritt, um Daten und Informationen im EU-Raum besser zu schützen. Jetzt liegt es an den Unternehmen, den nächsten Schritt zu machen. In der Praxis liegt der Fokus jedoch oft vor allem auf technischen Maßnahmen und darauf, dass alle Mitarbeiter:innen informiert werden.

Schulungen für Führungskräfte

Ebenso entscheidend ist es aber, das Führungspersonal gezielt zu schulen. Nur so wissen auch sie, welche Maßnahmen im Unternehmen notwendig sind, und worauf zu achten ist. Das ist ein wichtiger Baustein – aber oft nicht ausreichend.

Es braucht vollen Einsatz

Es gibt einen Bereich, der nicht durch Richtlinien erzwungen werden kann, der aber einen erheblichen Unterschied bei der Wirksamkeit der Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen macht: die Vorbildwirkung der Leitungsorgane.

Menschen lernen seit jeher durch Beobachten und Nachahmen. Natürlich kann mit dem Intellekt viel gesteuert werden und Wissen weitergegeben werden. Aber unsere Fähigkeit, in unseren Taten eine nachhaltige Veränderung zu bewirken, braucht neben dem Wollen und der Disziplin auch das entsprechende Umfeld und den Rahmen, diese Veränderungen auch dauerhaft umsetzen und leben zu können.

Wenn Leitungsorgane also nicht nur um den Schein zu wahren, sondern tatsächlich aus Überzeugung gewisse Vorgehensweisen, Prozesse und Werte umsetzen und leben, dann fällt es ihren Mitarbeiter:innen wesentlich leichter, diesem Beispiel zu folgen, als wenn diese selbst der Vorreiter sein müssen.

Wenn man selbst nicht dahintersteht

Da man sich für die Umsetzung dieser Richtlinie oft nicht freiwillig entscheidet, kann es für Vorgesetzte herausfordernd sein, selbst voll hinter den Änderungen zu stehen. Doch genau das spüren die Mitarbeiter:innen – und reagieren entsprechend zurückhaltend.

Es ist daher – wenn wir auf lange Sicht denken – fast unumgänglich, sich genauer damit zu befassen, worum es eigentlich geht, und welche Widerstände aufkommen beim Gedanken, die NIS 2 umzusetzen.

Ziel der Richtlinie ist es, die Cybersicherheit von kritischer Infrastrukturen, die als essentiell oder wichtig erachtet werden, zu gewährleisten. Dies gelingt nur, wenn betroffene Unternehmen, die vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen konsequent umsetzen und Vorfälle melden.

Man könnte argumentieren, dass die Intention, gesetzliche Vorgaben umzusetzen, um Strafen zu verhindern, ein ausreichender Grund ist, hinter der Umsetzung der Regelung zu stehen. Doch eine rein gesetzliche Pflicht ist selten Motivation genug, um Begeisterung im Team zu wecken.

Perspektive ist entscheidend

Wenn wir als Vorgesetzte uns, unsere Mitarbeiter:innen und unser Unternehmen hingegen als relevante Mitstreiter im Kampf gegen Cyberkriminelle – oder gar im Kontext mit digitaler Verteidigung begreifen – entsteht eine ganz andere Motivation und Energie.

Auch wenn andere Unternehmen im gleichen Sektor dieselben Vorgaben erfüllen müssen, kann die Haltung den Unterschied machen. Wer sich zum Ziel setzt, als Vorzeigebeispiel zu gelten, stärkt nicht nur die eigene Marktposition, sondern sichert langfristig auch Arbeitsplätze.

Dies ist nur eine von vielen möglichen Perspektiven, die Führungskräfte einnehmen können – und die sie mit entsprechender Überzeugung an alle im Unternehmen weitergeben sollten.

Vorleben statt nur vorgeben

Die innere Haltung zur Umsetzung der Richtlinie beeinflusst alle weiteren Schritte. Ebenso wichtig ist es, die tatsächlichen Anforderungen der Richtlinie als Führungskraft selbst vorzuleben.

So entsteht ein Sog in die gewünschte Richtung, dem Mitarbeiter:innen leichter folgen können.

Fazit

Langfristig steht und fällt die Umsetzung – auch der NIS-2-Richtlinie – mit der Haltung der Unternehmensleitung. Entscheidend ist, wie das Thema kommuniziert und im Alltag vorgelebt wird.

  • Elisabeth Demeter beschäftigt sich vor allem mit psychologischen Aspekten der IT-Sicherheit, wie etwa Gruppendynamiken, Leadership, Resilienz und wie Vorgaben gut angenommen werden können. Hierbei verbindet sie ihre Erfahrungen im technischen Bereich der IT-Sicherheit mit jenen der psychosozialen Beratung.

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